Explizit und implizit lernen: Wie viel Erklärung hilft?
Kurz gesagt
Du kannst eine Bewegung mit bewusst angewendeten Regeln lernen oder mit weniger ausformuliertem Bewegungswissen. Meist mischt sich beides. Explizit und implizit beschreiben Lernprozesse, keine festen Menschentypen. Die passende Vermittlung richtet sich nach der Aufgabe und danach, was dir beim Lernen hilft. [1]
Was dahintersteckt
Explizites Lernen bedeutet, dass du bewusst Zusammenhänge oder Bewegungsregeln erarbeitest und einsetzt. Beim eher impliziten Lernen entwickelst du Können, ohne dafür viele Bewegungsregeln benennen zu müssen. Eine Analogie oder eine passend gestaltete Aufgabe kann diesen Weg unterstützen; sie garantiert ihn aber nicht. [1, 3]
Die Hoffnung dahinter: Weniger bewusstes Steuern könnte Aufmerksamkeit für andere Aufgaben freihalten. Eine Forschungsübersicht bei Erwachsenen fand in den meisten Vergleichen jedoch keinen klaren Unterschied darin, wie gut eine Bewegung neben einer zweiten Aufgabe gelang. Die übrigen Ergebnisse tendierten häufiger zugunsten impliziter Verfahren; die Studienqualität begrenzte die Aussagekraft. [1]
Auch bei Grundschulkindern beschreibt eine Forschungsübersicht beide Wege als grundsätzlich wirksam. Eine neuere Übersicht zu sportlichen Bewegungsmustern findet Potenzial für implizit ausgerichtete Vermittlung, aber ebenfalls erhebliche methodische Grenzen. Einen allgemeinen Sieger ergeben diese Arbeiten nicht. [2, 3]
Am Tisch ausprobieren
Nimm eine Aufgabe, deren Ziel du kennst, etwa einen kontrollierten Rückschlag in eine große Zone. Vereinbare mit deinem Trainer eine kurze Erklärung, wenn du sie brauchst. Spiele anschließend eine Serie, ohne jeden Schlag gedanklich durchzugehen.
Deine Beobachtungsfrage: Hilft mir der Hinweis beim Handeln – oder beschäftige ich mich hauptsächlich mit dem Merken? Wenn er nicht hilft, versucht eine Demonstration, ein Bewegungsbild oder eine einfachere Aufgabe. Diese Erkundung ist ein Praxisvorschlag, kein Test deines „Lerntyps“.
Für Trainer
Frage nach dem Verständnis, bevor du mehr erklärst. Lege dich nicht dauerhaft auf eine Methode fest. Auch eine offene Aufgabe kann bewusstes Nachdenken auslösen; „wenig gesprochen“ bedeutet nicht automatisch „implizit gelernt“.
Für Eltern
Du musst keine Technikregeln ergänzen, damit dein Kind mehr lernt. Wenn es um eine Erklärung bittet, darf es sie bekommen. Unterstütze Fragen an den Trainer, statt zwischen „Kopfmensch“ und „Gefühlsspieler“ zu unterscheiden.
Was wir noch nicht wissen
Quellen
- Kal, E., Prosée, R., Winters, M. & van der Kamp, J. (2018). Does implicit motor learning lead to greater automatization of motor skills compared to explicit motor learning? A systematic review. Prüft die häufig behauptete Überlegenheit bei gleichzeitigen Aufgaben und erklärt die Begriffe.
- van Abswoude, F. et al. (2021). Implicit motor learning in primary school children: A systematic review. Überblick über Lernverfahren bei Kindern mit unterschiedlicher motorischer Entwicklung.
- Nijmeijer, E. M. et al. (2025). How are athletes trained to move? A systematic review exploring the effects of implicit and explicit learning on biomechanics of sport-specific tasks. Neuere Prüfung von Bewegungsmustern; betont auch, dass eine Lehrmethode den tatsächlichen Lernprozess nicht sicher verrät.