Gut geübt – aber auch etwas gelernt?
Kurz gesagt
Eine lange sichere Ballserie zeigt, was gerade klappt. Ob du etwas gelernt hast, zeigt sich besser später und unter veränderten Bedingungen. Beides zu beobachten hilft, Fortschritt realistischer einzuschätzen. Ein schlechter Trainingstag bedeutet deshalb nicht automatisch, dass dein Können verschwunden ist. [1]
Was dahintersteckt
Die Forschung unterscheidet Leistung während des Übens von Lernen, also einer länger anhaltenden Veränderung des Könnens. Dazu prüft sie das Behalten nach einer Unterbrechung und den Transfer, die Anwendung in einer veränderten Aufgabe. Tagesform, Hilfen und die Vertrautheit einer Übung können das aktuelle Ergebnis beeinflussen. [1]
Am Tisch ist der Unterschied leicht vorstellbar: Bei einer festen Folge kennst du den nächsten Ball. Im offenen Ballwechsel musst du zusätzlich erkennen und entscheiden. Dass die feste Übung gelingt, beantwortet deshalb noch nicht die Frage, ob du die Bewegung im Spiel passend einsetzen kannst.
Umgekehrt ist eine schwierige Übung nicht schon deshalb besonders wirksam, weil viele Fehler entstehen. Eine gemeinsame Auswertung mehrerer Studien von 2024 fand Vorteile zufällig gemischten Übens vor allem im Labor; in angewandten Aufgaben und bei jungen Teilnehmern waren die Ergebnisse deutlich weniger überzeugend. [2]
Am Tisch ausprobieren
Wähle mit deinem Partner ein Ziel, etwa eine lange Rückhand in eine vereinbarte Zone. Notiere zunächst, wie häufig es in einer kurzen Serie gelingt. Probiere dieselbe Aufgabe im nächsten Training nach dem Aufwärmen erneut, bevor ihr daran arbeitet. Ergänze anschließend eine kleine Veränderung, etwa zwei mögliche Zuspielrichtungen.
Deine Beobachtungsfrage: Was gelingt wieder – und welche neue Anforderung macht es schwieriger? Das ist ein praktischer Lerncheck, kein wissenschaftlicher Test. Einzelne Serien können stark schwanken.
Für Trainer
Plane kurze Wiederaufnahmen früherer Inhalte ein. Halte Ziel, Zuspiel und Bewertung möglichst vergleichbar. Trenne einen fehlenden Schlag von einer zu spät erkannten Spielsituation; daraus ergeben sich unterschiedliche nächste Aufgaben.
Für Eltern
Frage nach einer Sache, die dein Kind wiedererkannt oder selbst gelöst hat. Eine fehlerfreie Vorführung ist kein notwendiger Beweis für einen gelungenen Trainingstag. Vermeide zusätzliche Leistungstests zu Hause.
Was wir noch nicht wissen
Quellen
- Soderstrom, N. C. & Bjork, R. A. (2015). Learning Versus Performance: An Integrative Review. Überblick zur Unterscheidung von momentaner Leistung, Behalten und Transfer.
- Czyż, S. H., Wójcik, A. M. & Solarská, P. (2024). The effect of contextual interference on transfer in motor learning – a systematic review and meta-analysis. Zeigt, warum Befunde zu gemischtem Üben nicht pauschal auf Vereinstraining übertragbar sind.