Lernwege & Vermittlung

Mit Bewegungsbildern lernen: Kann ein Bild eine Erklärung ersetzen?

Kurz gesagt

Ein vertrautes Bild kann mehrere Bewegungsmerkmale in einer kurzen Vorstellung bündeln. Das nennt man Analogie: Du überträgst etwas Bekanntes auf die neue Aufgabe. Es ist eine mögliche Lernhilfe. Ob das Bild passt, zeigt sich daran, was du damit tatsächlich machst. [1]

Was dahintersteckt

In frühen Tischtennisstudien lernten Anfänger einen Vorhandtopspin entweder mit mehreren Technikregeln oder mit einem Bewegungsbild. Beim zusätzlichen Bearbeiten einer zweiten Aufgabe war die Leistung der Analogiegruppen teilweise stabiler. Eine weitere Untersuchung fand einen ähnlichen Vorteil, wenn während des Schlagens anspruchsvollere Richtungsentscheidungen hinzukamen. [1, 2]

Das ist für Tischtennis interessant: Ein Merksatz soll während des Spiels möglichst wenig Aufmerksamkeit beanspruchen. Die Befunde bedeuten aber nicht, dass Bilder immer besser sind. Eine längere Studie mit insgesamt 10.000 Vorhandschlägen fand auch bei explizit lernenden Teilnehmern keine Leistungseinbußen unter dem untersuchten Druck. Ihre Leistung verbesserte sich zudem länger weiter als die der Analogiegruppe. [3]

Zusammen legen die Arbeiten nahe, Analogien als Werkzeug auszuprobieren und ihre Wirkung zu prüfen. Sie rechtfertigen keinen Verzicht auf alle technischen Erklärungen. Ein anschaulicher Satz kann auch missverstanden werden.

Am Tisch ausprobieren

Wähle mit deinem Trainer eine Bewegung, die ihr gerade erarbeitet. Lasst ihn ein passendes Bild vorschlagen, beispielsweise eine gleichmäßige Pendelbewegung für eine Aufgabe, bei der genau dieser Rhythmus gefragt ist. Zeige zunächst ohne Ball, wie du das Bild verstehst. Probiere es anschließend in einer einfachen Ballaufgabe.

Deine Beobachtungsfrage: Wird die gewünschte Bewegung leichter verständlich und das Ergebnis passender? Wenn das Bild eine unpassende Bewegung auslöst, verändert oder verwerft es. Das Beispiel ist eine praktische Idee; seine konkrete Anwendung ist nicht durch die genannten Studien geprüft.

Für Trainer

Ein Bild sollte zu genau dem Bewegungsmerkmal passen, das du vermitteln willst. Lass den Spieler seine Interpretation zeigen. Verwende nicht zugleich mehrere Metaphern, die unterschiedliche Bewegungen nahelegen.

Für Eltern

Lass dir ein im Training verwendetes Bild erklären, wenn dein Kind davon erzählt. Ergänze nicht ungefragt ein eigenes: Zwei anschauliche Bilder können sich in der Bewegung widersprechen.

Was wir noch nicht wissen

Die angeführten Tischtennisstudien betreffen begrenzte Aufgaben und überwiegend Anfänger. Sie verraten nicht, welches Bild für welchen Schlag, jedes Alter oder fortgeschrittene Spieler am besten passt. Ein zunächst hilfreiches Bild darf später durch eine genauere Erklärung ergänzt werden. [1, 2, 3]

Quellen

  1. Liao, C.-M. & Masters, R. S. W. (2001). Analogy learning: A means to implicit motor learning. Zwei frühe Experimente mit Tischtennisanfängern und unterschiedlichen Lernanweisungen.
  2. Poolton, J. M., Masters, R. S. W. & Maxwell, J. P. (2006). The influence of analogy learning on decision-making in table tennis: Evidence from behavioural data. Untersucht das Zusammenspiel von Schlag und zusätzlicher Entscheidung.
  3. Koedijker, J. M., Oudejans, R. R. D. & Beek, P. J. (2008). Table tennis performance following explicit and analogy learning over 10,000 repetitions. Längere Lernphase mit Befunden, die eine pauschale Überlegenheit der Analogie relativieren.

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