Wie komme ich nach einem Fehler zum nächsten Ball?
Kurz gesagt
Du darfst dich über einen Fehler ärgern und dich trotzdem wieder der nächsten Aufgabe zuwenden. Ein hilfreicher Ansatz verbindet einen sachlichen Umgang mit dir selbst und einen kurzen Neustart. Die genaue Form solltest du im Training ausprobieren; sie muss nicht bei jedem Ball gleich aussehen.
Was dahintersteckt
Selbstmitgefühl bedeutet, eigene Schwierigkeiten anzuerkennen und unterstützend mit sich umzugehen. Eine Forschungsübersicht aus dem Sport verbindet diesen Umgang unter anderem mit dem Bewältigen von Rückschlägen. Viele Arbeiten untersuchen jedoch Zusammenhänge zu einem Zeitpunkt. Daraus folgt keine sichere Leistungssteigerung. [1]
Eine Studie mit US-Hochschulsportlern erprobte ein mehrwöchiges Programm. Teilnehmende berichteten unter anderem weniger Selbstkritik als eine Wartelistengruppe. Die Zuteilung erfolgte nicht zufällig. Die Leistung wurde eingeschätzt; objektive Wettkampfergebnisse wurden damit nicht nachgewiesen. [2]
Ergänzend stützt eine zusammenfassende Auswertung das Potenzial vorbereitender Routinen im Sport. [3] Daraus leiten wir den folgenden Vorschlag ab: erst den Fehler benennen, ohne dich abzuwerten, dann eine konkrete nächste Handlung wählen. Das ist eine Verbindung zweier Forschungsansätze, kein als Paket getestetes Tischtennisprotokoll.
Am Tisch ausprobieren
Übe im Trainingsspiel drei kurze Schritte:
- Benennen: „Der Rückschlag war zu lang.“ Beschreibe den Ball, nicht deinen Wert als Spieler.
- Einordnen: „Ärgerlich. Fehler gehören dazu.“ Du musst den Ärger nicht wegdrücken.
- Ausrichten: Entscheide, was beim nächsten Punkt wichtig ist, etwa die geplante Aufschlagplatzierung.
Nutze dafür die normale Spielpause. Eine längere technische Analyse kannst du nach dem Satz aufgreifen. Beobachtungsfrage: Hatte ich vor dem nächsten Ball wieder eine konkrete Aufgabe, auch wenn der Ärger noch da war?
Für Trainer
Vereinbart vorab ein neutrales Erinnerungswort. Besprecht anschließend auch Fehler, bei denen Entscheidung und Absicht sinnvoll waren. Wenn du jeden Fehlball mit sichtbarer Enttäuschung beantwortest, passt das schlecht zur Botschaft, mutig auszuprobieren.
Für Eltern
Nimm Enttäuschung ernst und vermeide Etiketten wie „Du bist einfach zu nervös“. Biete Zuhören an. Dein Kind braucht nach einer Niederlage nicht automatisch eine weitere technische Erklärung oder eine Lektion über positives Denken.
Was wir noch nicht wissen
Quellen
- Cormier, D. L. et al. (2025; online 2023). Self-compassion in sport: a scoping review. Kartiert die Forschung zu Rückschlägen, Selbstkritik und Wohlbefinden und benennt offene Leistungsfragen.
- Kuchar, A. L., Neff, K. D. & Mosewich, A. D. (2023). Resilience and Enhancement in Sport, Exercise, & Training: A brief self-compassion intervention with NCAA student-athletes. Konkrete, nicht randomisierte Interventionsstudie; liefert Hinweise und methodische Grenzen.
- Rupprecht, A. G. O., Tran, U. S. & Gröpel, P. (2024; online 2021). The effectiveness of pre-performance routines in sports: a meta-analysis. Begründet das Erproben einer Vorbereitung auf die nächste Aktion.
Zum Hören: The Sport Psych Show, Folge 231: Danielle Cormier & Kent Kowalski – Self-Compassion in Sport, 27. März 2023, Englisch. Gespräch mit zwei Autoren des Reviews; Sendungsbeschreibung geprüft.