Aufmerksamkeit & Wahrnehmung

Wie viele Hinweise helfen beim Lernen?

Kurz gesagt

Mehr Hinweise ergeben nicht automatisch mehr Hilfe. Wer eine neue Bewegung ausprobiert, muss Informationen verstehen, behalten und anwenden. Ein klarer Schwerpunkt ist deshalb ein sinnvoller Ausgangspunkt. Eine wissenschaftlich festgelegte Höchstzahl von Technikhinweisen gibt es für Tischtennis jedoch nicht. [1, 2]

Was dahintersteckt

Das Arbeitsgedächtnis hält Informationen vorübergehend verfügbar, während du damit arbeitest. Seine Kapazität ist begrenzt. Wie viel eine Person bewältigt, hängt unter anderem von der Aufgabe und davon ab, wie Informationen zusammengehören. Zahlen aus Gedächtnistests sind daher keine allgemeine Regel für Traineransagen. [1]

In einer Basketballstudie erhielten Kinder vor Übungsblöcken mehrere Technikanweisungen. Kinder mit niedrigeren Arbeitsgedächtniswerten entwickelten sich dabei ungünstiger als Kinder mit höheren Werten. Allerdings verglich die Studie keine unterschiedlichen Anweisungslängen. Sie beweist deshalb nicht, dass eine bestimmte Anzahl an Regeln die Ursache war. [2]

Eine spätere Forschungsübersicht zu kindlichem Bewegungslernen fand außerdem kein einheitliches Muster dafür, wann Arbeitsgedächtnisleistungen einen Lernweg begünstigen. [3] Für die Praxis folgt daraus: Verständlichkeit und Belastung beobachten, ohne Kinder anhand vermuteter Gedächtniskapazität einzuteilen.

Am Tisch ausprobieren

Wenn mehrere Korrekturen im Raum stehen, wähle mit deinem Trainer zunächst einen Schwerpunkt. Sage in deinen eigenen Worten, was du in der nächsten Serie ausprobieren möchtest. Spiele, beobachte das Ergebnis und entscheide anschließend, ob derselbe Hinweis weiterhilft oder angepasst werden sollte.

Deine Beobachtungsfrage: Kann ich die Aufgabe während des Spielens umsetzen, oder versuche ich vor allem, mir den Satz zu merken? Wenn die Aufgabe unklar bleibt, lass sie dir zeigen oder vereinfacht erklären. Ein Schwerpunkt ist hier eine praktische Vereinbarung, keine Grenze deines Gehirns.

Für Trainer

Unterscheide die Erklärung vor einer Übung vom kurzen Hinweis während des Spielens. Komplexe Zusammenhänge dürfen erklärt werden; nicht jedes Detail muss zugleich die Aufmerksamkeit lenken. Lass Lernende zeigen, was sie verstanden haben, statt nur nach einem „Ja“ zu fragen.

Für Eltern

Wenn dein Kind einen Hinweis vergisst, frage zuerst, was die Aufgabe war und ob sie verständlich erklärt wurde. Du brauchst keine eigenen Gedächtnistests und keine zusätzlichen Technikansagen.

Was wir noch nicht wissen

Es gibt keine für alle passende Menge und Form von Informationen. Alter, Erfahrung, Sprache und die konkrete Aufgabe unterscheiden sich. Wenig zu sagen ist ebenfalls kein Selbstzweck: Entscheidend ist, ob die nötige Information ankommt und beim selbstständigen Handeln hilft. [1, 2, 3]

Quellen

  1. Cowan, N., Saults, J. S. & Blume, C. L. (2014). Central and Peripheral Components of Working Memory Storage. Laborarbeit zu begrenzter Gedächtniskapazität und der Rolle verschiedener Informationsarten.
  2. Buszard, T. et al. (2017). Working Memory Capacity Limits Motor Learning When Implementing Multiple Instructions. Basketballstudie bei Kindern; untersucht Gedächtnisunterschiede unter derselben Anweisungssituation.
  3. van Abswoude, F. et al. (2021). Implicit motor learning in primary school children: A systematic review. Relativiert einfache Zuordnungen von Arbeitsgedächtnis und vermeintlich passendem Lernweg.

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